Teleskoptest/Erfahrungsbericht
Orion 80 ED
Gestellt von: Teleskopservice Wolfi Ransburg.
Autor: Armin Hubertus
Vorwort:
Dies ist mein erster Teleskoptest. Über Astronomie.de wurde
mir dieses Gerät bekannt.
Ich erwarte eine preisgünstige, gute Alternative zu den wesentlich
teureren Vollapos bekannter Hersteller mit einer Abbildungsleistung
und Eigenschaften die deutlich über den handesüblicher
FH-Refraktoren liegen. Wichtig ist mir auch die Eignung als Allrounder
( Planeten und Richfield) und als Reisteleskop.
Nach Kenntnis des Berichts von Nikita, war die Okularverträglichkeit
ein besonderes Thema.
Bezugsgeräte:
80/400 FH, 70/700 FH, Vixen 80 M, Vixen 114/900,
Eingesetzte Okulare:
Plössl 32mm Meade, 25mm TS, Celestron SMA25mm, TSSW 15, 9 und
6 mm, Speerswaler 14SWA, 10SWA und Zoom 8-5mm, Vixen LVW 8 und 3,5
mm
Sonstiges Equipment:
Barlow: Antares B2S, Meade Zenitspiegel 1,25"
Montierungen:
LIDL-Monti, HEQ5
Die
Ankunft:
Gut und stabil verpackt kam der ORION 80 ED am 14.11.03 bei mir
an.
Sehr schön anzuschauen war mein erster Eindruck als das Scope
in den Händen hielt. Ist leicht, kompakt und die dunkle "Metallicfarbe"
ließ den Orion edel wirken.
Die genauere Inspizierung ergab jedoch kleine Mängel.
Die Okular- bzw. Zenitspiegelaufnahmen am Auszug waren nicht richtig
befestigt. Die Aufnahme des Zenitspiegels erfolgt über eine
Rändelschraube. Hier wäre mir eine Ringlösung lieber.
Dann
ein Klappern. Sofort hatte ich die Linsenfassung im Verdacht, die
sich auch als Ursache herausstellte. Kurzentschlossen habe ich den
Außenring vorsichtig leicht angedreht und das Klappern war
weg. Ob dies Auswirkung auf eine evtl. bereits vorgenomme "Justage"
hat, kann nicht beurteilt werden.
Leider
hatte das Gerät bereits kleine Lackabsplitterungen an den Schrauben
zum Okularauszug, genau wie es Nikita in seinem Test anführte.
Gleiches gleiches gilt für die Innenschwärzung, die erste
Gebrauchsspuren aufwies.
Besonders
angetan war ich von dem Okularauszug. Nicht nur optisch toll, sondern
auch butterweich. Da hatte ich schon ganz anderes in den Fingern.
Allerdings waren bereits starke Schleifspuren auf dem OAZ-Rohr zu
sehen, die auf Reibung schließen lassen.
Sowohl
der Tubus als auch der OAZ ist mit Blenden zur Streulichtunterdrückung
versehen.
Sie sind sinnvoll angebracht und richtig dimensioniert. Das Objektiv
ist jederzeit komplett zu sehen.
Alles in allem ein dennoch vielversprechender erster Gesamteindruck,
trotz kleiner Mängel, die sicher zum Teil darauf zurück
zu führen sind, das dieses Gerat schon jemand in der Hand hatte
und es vermutlich schon mal demontiert war.
Eignung
als Reiseteleskop:
Bisher verwende ich einen 80/400er Refrakter auf einer EQ1 als Reisegerät
in einem Koffer mit maximal zulässiger Handgepäckgröße.
Der Orion ist, da die Taukappe nicht einziehbar ist, hier nur bedingt
für meine Zwecke geeignet, weil die Gesämtlänge die
Unterbringung im Koffer verhindert. Mit abgenommener Taukappe könnte
das Gerät quer grade noch verstaut werden. Eine Lösung
die mir aber nicht wirklich zusagt.
Die EQ1 trägt das Gerät nicht mehr zufriedenstellend.
Die deutlich stärkere LIDL-Monti hingegen wurde dieser Aufgabe
gerecht und ist im Bezug auf mein Stabilitätsempfinden die
Mindestanforderung.
Tagbeobachtung:
Das schlechte Wetter verhindert bislang den Nachteinsatz. In etw
100m Entfernung wurde eine Baum/Buschkombination als Objekt für
den ersten Test gewählt.
Der Orion lieferte ein schönes sauberes, kontrastreiches Bild.
Alle Okulare kamen unter Verwendung eines Zenitspiegels problemlos
in den Fokus. Auch die bekanntermaßen fokal knapp liegenden
SpeersWaler SWA machten keine Probleme. Bis zum 3,5mm LVW lieferte
der Orion ein ausgezeichnetes Bild. Erst der Einsatz einer Barlow,
zeigte die Grenzen der Leistungsfähigkeit auf. Vergrößerungen
bis 200x erscheinen mir bei gutem Bild möglich.
Die einfachen, kleinen Fraunhofer schnitten im Vergleich, trotz
guter Optik und Optimierung deutlich schlechter ab. Lediglich der
Vixen Newton konnte einigermaßen mithalten, wenngleich dieses
Gerät einen schwächeren Kontrast hat und ob der Lichtsammelleistung
im Vorteil ist.
Fazit:
Den ersten Test hat der Orion klar bestanden. Die Optik ist sicher
gut.
Einfache kleine Fraunhofer steckt der ED mit links in die Tasche.
(Die Vxen FH wurden nicht einbezogen)
Der Okularauszug ist ein feines Teil. Er hat kein Shifting und ist
sehr fein einzustellen. Auch schwere Lasten wurden problemlos getragen.
Allerdings weißt der OAZ Reibungsspuren auf.
Wenn
nur der Himmel klar werden würde.
First
Light:
Eine kurze weitgehend wolkenlose Phase zwischen 18 -19.00 nutzte
ich zum First Light.
Nach geringer Auskühlzeit wurde Mars ins Visir genommen. Es
wurden Plössl, TSSW und die beiden LVW benutzt. Einfache Plössl
und die LVW zeigten einen sauber definierten Mars. Die TSSW schnitten
hier etwas schwächer ab. Leichte Reflexe machten sich bei den
TSSW bemerkbar. Auch das 3,5 mm LVW zeigte überraschender Weise
vereinzelt Reflexe.
Dennoch war die Leistung mit dem 3,5 mm Okular gut, was in etwa
die doppelte Öffnung als Vergrößerung liefert. Den
eher bescheidenen Bedingungen schreibe ich zu, das außer der
Polkappe und einige Hell/Dunkel-Strukturen keine weiteren Details
erkennbar waren.
Ein Farbfehler war auch bei dieser Vergrößerung nicht
zu erkennen.
Ein
kurzer Schwenk über den Nachthimmel zeigte schöne, sauber
definierte Sterne. Ein wirklicher Genuß auf diese Art den
Nachthimmel zu druchwandern.
Sterntest
wurde an der Wega gemacht. Da ich für die Schnelle nur die
LIDL-Monti ( unmotorisiert) eingesetzt habe wurde das 3,5mm LVW
verwendet. Die Beugungsscheibchen zeigte außer einer leichten
Dezentrierung, ähnlich mit den von DeepSky veröffentlichen
Bildern auf Astronomie.de keine weiteren Auffälligkeiten.
Auch die auffällige Grün/Lila-Färbung wurde festgestellt.
Das
Fukussieren von Wega, wofür der Orion sehr steil zum Himmel
geneigt werden mußte, offenbarte Schwächen des OAZ. Exaktes
fokussieren war nicht möglich. Das LVW zerrte zu stark am Auszug
und veränderte die Position geringfügig. Auch über
die Feststellschraube bekam ich dies nicht hundertprozentig in den
Griff. Während das Herausdrehen des OAZ gut funktionierte,
blieb der Auszug beim Eindrehen, etwa 3 cm vor dem Anschlag hängen.
Ein kleiner Widerstand mußte durch sanften Druck überwunden
werden, ehe der Rest auf normale Weise eingezogen werden konnte.
Fazit:
Bereits in dem vorliegenden Zustand eine gute Optik, die den Orion
dominiert.
Die Technik und Verarbeitung des Geräts steht der optischen
Leistungsfähigkeit nach.
Hier sehe ich noch Verbesserungsbedarf.
Weitere
Beobachtungen:
An mehreren weiteren Abenden wurde insbesondere Mond und Saturn
unter die Lupe genommen. Gerade am Mond sollte doch zumindest ein
kleiner Farbsaum auffallen, aber ich konnte nichts in dieser Richtung
sehen. Das war mit dem 80er FH anders, der zumindest ein wenig Farbe
zeigte.
Darüber hinaus wurden ein paar Standartobjekte verglichen.
Auch hier machte der ED ein gute Figur und braucht sich keinesfalls
zu verstecken. Im Gegenteil in der Summe schien mir der ED etwas
schärfer und kontrastreicher als der 80M.
Abschließendes
Fazit:
Die Optik ist hält was man erwartet. Der OAZ läuft sehr
weich und angenehm.
Mit schweren Okus ist er überfordert. Ich gehe davon aus, daß
man dies mechanisch lösen kann. An dem Testgarät rumzuschrauben
habe ich nicht gewagt.
Meiner Meinung nach erhält man ein Teleskop mit einem sehr
guten Preis-/Leistungsverhältnis.